Ich hatte Glück, der Taifun hatte Tokio nur gestreift. Daher konnte ich mir an meinem letzten Tag in Tokio noch den schrillen, verspielten Teil der Stadt ansehen. Auf ins nahe gelegene Akihabara!

Akihabara ist bekannt für seine Vielzahl von Läden zum Thema Videospiel, Manga & Anime. Hier findet man viele Comic-Buch- & Spielzeugläden, aber vor allem große mehrstöckige Videospiel-Tempel …

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In diesen Unterhaltungs-Tempeln geht es schrill, bunt und laut zu. Hier finden die japanischen Jugendlichen (und auch die Nicht-mehr-so-Jugendlichen) alles, was sie nach einem stressigen Tag brauchen. Ob sie Plüsch- & Actionfiguren „greifen“ wollen …

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… oder sich (quasi-)musikalisch nach vorgegebenen bunten Mustern betätigen …

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… gerne auch zu dritt …

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… oder aber einfach nur Videospiele spielen wollen

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Dabei reizen die Automaten jeden grellen Effekte aus, die Lautstärke ist bis zum Anschlag hochgedreht und alle interaktiven Möglichkeiten werden genutzt – von Touchscreens über Instrumenten- & Waffen-Controller, bis hin zu Spielkarten mit RFID-Chip, die man auf dem Automaten umherschieben kann:

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Wer schon immer mal eine epileptischen Schock haben wollte, ist hier herzlich willkommen. Ich habe einen Selbstversuch gewagt, bin aber eher bei den Synapsen-schonenden Videospielen geblieben. Mit 300 km/h über eine Rennstrecke zu gleiten ist halt gemütlicher als effektreich mit einem Kampfroboter eine außerirdische Invasion abzuwehren 🙂

Etwas irritiert war ich über die zumeist männlichen Besucher, die z.T. in Schlips und Kragen vor den Automaten saßen – da war die Sucht wohl größer als der Drang sich umzuziehen. Noch mehr irritierte mich aber, dass vor den Gebäuden Mädels in Manga-Kostümen mit z.T. kurzen Röcken und schulmädchenhaftem Charme die Leute hereinzulocken versuchten.

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In Deutschland würde das wohl eine Sexismus-Debatte hervorrufen. Hier ist das anscheinend Teil der allgegenwärtigen Manga- & Rollenspiel-Kultur. Das geht sogar so weit, dass dieses Manga-Schulmäden-Magd-wie-auch-immer-Rollenspiel in speziellen Cafés Einzug hält, so genannte Maid-Cafés

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Das war mir dann doch etwas zu abgefahren. Da hab ich lieber nach einer anderen Möglichkeit Ausschau gehalten, meinen knurrenden Magen zufrieden zu stellen … und dann fand ich nach sechs Wochen Abstinenz zufällig „heimisches Essen“:

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Aber ich habe der Versuchung wiederstehen können – es gab eh nur Chicken-Döner 😉 Ich habe mir lieber ein schönes kleines japanisches Restaurant gesucht und hab irgendwas mit Gemüse, Schweinefleisch und Reis gegessen. Was genau, weiß ich nicht. Die Speisekarte gab’s nur in japanisch. Das Bild, auf das ich zeigte, sah aber lecker aus 🙂

Hier noch zwei Atmosphäre versprühende Fotos … na ja, eigentlich sind sie nur übrig geblieben:

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Und noch eine kleine Geschichte zum Schluss:
Einer meiner neuen Zimmerkameraden – ebenfalls ein Weltreisender – erzählte mir am Abend, dass er vor seinem Japan-Besuch in Nordkorea „urlaubte“. Mit ein paar Freunden hat er aus Interesse eine Woche im abgeschotteten Land verbracht. Die Buchung lief wohl recht problemlos per Internet und eingereist ist er über China, in 12-stündiger Fahrt mit einem wackligen Zug.

Er war recht überrascht, dass es weniger restriktiv ablief als er erwartet hatte. Er bekam wohl das Vorzeige-Korea gezeigt, mitsamt seinem Führerkult und den vielen Statuen. Allerdings war er mit einer 20-köfpigen Reisegruppe unterwegs, die zwar begleitet und von der Bevölkerung abgeschottet wurde (eigenes Hotel, eigener Bus), es wurde aber nicht jeder Schritt überwacht. Das wäre wohl auch schwer gefallen, da sogar mehrere Reisegruppen unterwegs waren.

Ein Bild ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben – zumindest erzählte er ein paar Mal darüber -, er sah jemanden, der mit einer Schere den Rasen „mähte“. Die Menschen arbeiten wohl mit sehr einfachen Mitteln, zumeist ohne Maschinen.

Ich stelle mir Nordkorea schon sehr interessant vor, wohl aber nur, weil ich so wenig über das abgeschottete Land weiß. Aber eine organisierte Vorzeige-Nordkorea-Tour gäbe mir wohl auch nicht viel mehr Wissen, ganz im Gegenteil sogar eher Desinformation. Das ist auch der Grund, warum mir Individualreisen lieber sind.

Kategorien:  🌎 Runde 1Japan

1 Kommentar

Tag 95: Tokio | rori's Blog · 4. Mai 2017 um 1:58

[…] diesem kurzen Abstecher besuche ich das Tokioter Viertel Akihabara. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch nichts verändert. Es ist immer noch das Mekka für Geeks jeglicher […]

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