Philadelphia war zwar historisch ganz interessant, bot aber nur Spannung für einen kurzen Besuch. Da kommt mir das immer wieder als aufregend und lebendig beschriebene New York gerade recht. Die nächsten 7 Tage werde ich hier verbringen.

Mein Hostel ist schon mal imposant: Es erstreckt sich über ein ganzes fünfstöckiges Gebäude, zieht sich fast über einen ganzen Straßenblock. Es hat ein eigenes Café, einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher und Billardtisch, einen Garten, Waschsalon und Computer-Raum. Dieses Gebäude ist eine eigene kleine Stadt. Ich könnte hier die sieben Tage überleben, ohne einmal einen Fuß vor die Tür zu setzen … aber solch ein Versuch wäre meiner Reisezeit nicht wert.

Nach meiner Ankunft in New York hatte ich Hunger: Mein Hunger hat mich in irgendein nahe gelegenes Restaurant getrieben. Dort kam ich mit einer herzlichen, mexikanisch-stämmigen Kellnerin ins Plauschen. Sie war interessiert an meinen Reiseerlebnissen. Leider habe ich das Talent, die Leute neidisch aufs Reisen zu machen. Das war auch hier der Fall 🙂

Die Kellnerin machte mich dann auf die an der Wand hängenden Fotos der Prominenten aufmerksam; ich bemerkte ein von Brad Pitt signiertes. Sie meinte, dass er hier irgendeinen Film gedreht hätte, musste aber beim Chef nachfragen, wie der Film heißt. Nach kurzer Denkpause erinnerte sich der Chef. In diesem Restaurant wurde die Anfangsszene von „Rendezvous mit Joe Black“ gedreht. Wow, welch ein Zufall! Ich bin ein Fan von Filmdrehorten. Da hat mein Hunger ja genau das richtige Restaurant ausgesucht. Und das Essen schmeckte auch 🙂

Im Hostel lernte ich zwei gemeinsam reisende Bostoner kennen: ein bedächtiger Mittfünfziger, der in seinem Leben viel reiste und kulturell sehr interessiert ist, und ein sehr unruhiger, überdrehter, 20-jähriger Politik-Student. Ein sehr ungleiches und dadurch witziges Paar, das sich jedoch gut verstand. Wir sprachen über das Reisen, die verschiedenen Kulturen und die Innen- & Außenpolitik unserer Länder. Hier kam ich auch der Antwort auf die Frage näher, wo der Stolz der US-Amerikaner herkommt. Sie meinen, der Stolz begründet sich im amerikanischen Lebensgefühl („Jeder kann alles erreichen“; „Wer nichts hat, hat sich nicht genügend angestrengt“) und bestätigt sich durch die ökonomischen Leistungen und den Wohlstand der USA.

Sie sehen jedoch auch eine negative Seite: Der US-amerikanische Stolz wird durch sehr viel Unwissenheit, Furcht und Ignoranz genährt. Die meisten US-Amerikaner kennen die Welt nur durch Hörensagen oder – noch schlimmer – durch FOX News (ein sehr konservativer Nachrichtensender). Auch durch die einseitige, national gefärbte Berichterstattung solcher Medien erläge die US-Bevölkerung der Furcht, alle anderen sind neidisch auf ihren Wohlstand und wollen etwas davon abhaben. Die meisten US-Amerikaner sind somit nicht gewillt (z.T. finanziell auch nicht in der Lage) in andere Länder zu reisen und sich selbst ein Bild zu machen.

Auch innenpolitisch sehen sie diesen Stolz kritisch: Er sorge für Ignoranz und Arroganz gegenüber Problemen wie Obdachlosigkeit, schlechtem Gesundheitswesen und überprivatisiertem Bildungssystem. Eine vernünftige Diskussion ließe sich nur schwer führen, da alles, was der Gemeinschaft nützt als sozial und somit kommunistisch gebrandmarkt ist. Und das stelle schließlich eine Gefährdung des amerikanischen Lebensgefühls dar.

So, nun wusste ich, wie die US-Amerikaner ticken 😉 Zeit, New York unsicher zu machen.

Angefangen habe ich mit einem Basketballspiel der New York Knicks:

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Das Spiel war leider grottig – nach den zwei guten Spielen in Los Angeles und Washington sind meine Ansprüche nun mal hoch 😉 . Das Stadion, der Madison Square Garden, war es jedoch Wert, gesehen zu werden. Die Show drumherum war auch nett, z.B. die T-Shirt-Minigun:

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Kategorien:  🌎 Runde 1USA

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