Anmerkung der Redaktion: Ich bin vor 2 Tagen wohlerhalten von meiner Reise zurückgekehrt. Mit der Berichterstattung hinke ich leider hinterher, wohl von der Panik getrieben in den verbleibenden Reisetagen noch möglichst viel zu erleben 🙂 Aber nun habe ich ja Zeit und Ruhe, über die restlichen 8 Reisetage zu berichten. Ich wünsche viel Vergnügen beim Endspurt.

Heute ist es stark bewölkt, es regnet phasenweise. Keine sonderlich guten Bedingungen, um den Central Park zu besichtigen. Ich habe es trotzdem versucht:

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Das Wetter zwang mich jedoch, von der nahe gelegenen Museumsmeile Gebrauch zu machen (nicht dass ich es unangenehm fände). Das Museum zur Geschichte der Stadt New York schien genau das richtige für diesen kühlen, verregneten Nachmittag zu sein:

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Meine Annahme bestätigte sich jedoch nicht. Wegen Umbauarbeiten war nur die Hälfte der Ausstellungen zugänglich. Die verbleibenden Ausstellungen waren eher dürftig. Das hätte ich mir sparen können.

Gut, dass ich mir für den Abend noch zwei Highlights reserviert hatte: Nachdem ich gestern schon ein Konzert genoss, sollte es auch heute Abend wieder musikalisch zugehen – jedoch in eine etwas andere Richtung: Ich genoss das Philadelphia Orchestra in der weltberühmten Carnegie Hall

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Der Saal beeindruckt durch seinen architektonischen Stil, auch da sich das Gebäude in die unscheinbare, graue Hochhaus-Fassade New Yorks einpasst. Letztlich war er klanglich jedoch weniger herausragend als ich es mir vorstellte. Da steht die wunderbare Neubrandenburger Konzertkirche in Nichts nach.

Der Tag war etwas enttäuschend verlaufen – und es war bereits 22 Uhr. Was kann den Tag noch retten? Ganz einfach: Ich schaue mir die Mitternachtsvorstellung einem der schlechtesten Filme aller Zeiten an.

Nicht wenige bezeichnen den Film The Room als eben solchen. Nun, schlechte Filme gibt es zu Hauf, die meisten davon sind „ungenießbar“. The Room jedoch ist so schlecht umgesetzt, dass er wieder unterhaltsam wird. In den zehn Jahren seit seiner Erstaufführung hat dieses Drama viele „Fans“ gefunden, die die unfreiwillig komischen Eigenheiten auf gemeinsamen Film-Parties zelebrieren. Da ich nun mal ein Filmgenießer bin, musste ich daran teilhaben. Auf ins Kino! 🙂

Ihr fragt euch sicherlich: Was macht den Film so schlecht? Und was ist daran so unterhaltsam? Hier mal ein paar Beispiele:

  • Der Regisseur Tommy Wiseau ist zugleich auch der Hauptdarsteller. Beides kann er nicht besonders gut: Als Schauspieler wirkt er mal emotionslos, mal emotional überzogen. Da er als Regisseur leider auch nicht viel Talent besitzt, wechseln die Schnitte häufig zwischen diesen Extremen. Das hinterlässt beim Zuschauer eher Fragezeichen denn Empathie.
  • Die tragische Beziehungsgeschichte weist einige Löcher auf. Damit nicht genug: Es werden unerwartet Nebencharaktere und Handlungsstränge eingeführt, die im Weiteren überhaupt keine Relevanz besitzen. Das hinterlässt beim Zuschauer noch ein paar mehr Fragezeichen. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Tommy Wiseau auch das Drehbuch geschrieben hat? 🙂
  • Der Film hatte zwar ein Budget von 6 Millionen Dollar, wichtige Außenaufnahmen wurden jedoch im Green-Screen-Verfahren gedreht – merklich. Zudem wurden billige und unerklärliche Requisiten verwendet. So ist z.B. häufig das Foto eines Löffels zu sehen. Bei den Fans ist es daher zum Ritual geworden, bei jedem Auftauchen dieses ungewöhnlichen Fotos Plastiklöffel im Kino umherzuwerfen.
  • Wo wir schon beim Werfen sind: Die männlichen Charaktere des Films fallen mehrmals dadurch auf, dass sie sich aus nähester Distanz einen Football zuwerfen. Diesem ungewöhnlichen Verhalten eifern die Kinozuschauer gerne nach – vor Ort.

Überhaupt werden die vielen Eigenheiten des Films entweder nachgeahmt, kommentiert oder lautstark bejubelt. Es haben sich einige Rituale um diesen Film entwickelt, die eine Kinovorstellung zum Erlebnis werden lassen. Ich hatte meinen Spaß 🙂

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4 Kommentare

mare · 15. Dezember 2014 um 8:19

Central Park? Gabs da nicht mal einen Film? Achja…“rori allein in New York“ 😉 😛

    rori · 17. Dezember 2014 um 1:21

    Dann hätte ich ja auch im The Plaza einchecken müssen 😉

Gunar · 15. Dezember 2014 um 16:25

Ich musste schon beim Lesen weiterführender Kritiken zu „The Room“ lachen – den sollten wir uns vormerken für den nächsten Trash-Abend.

„Ich habe „The Room“ innerhalb eines Jahres sieben mal gesehen. Das nennt man wohl einen Lieblingsfilm. Ich ergebe mich. Es ist nicht so leicht die eigenen Ansprüche zu unterwandern und sich einzugestehen, dass ein Film, der in allen Belangen scheitert, der selbst Dinge vergeigt, die viele instinktiv richtig machen, derlei Faszination ausüben kann und gleichzeitig so lehrreich ist. Es ist zum einen die Art von Film, die man gemeinhin als schlecht bezeichnet; ziellos, unmotiviert, stumpf und bis in den letzten Frame zutiefst frauenfeindlich. Dennoch liegt die eigentliche Stärke des Films in seinem ausgestellten Auteurismus. Viele Trashperlen sind Genrefilme und scheitern an deren (angeblichen) Regeln. „The Room“ hat kein Genre als Vorlage. Es ist die reine Kopfgeburt des mysteriösen, vampiresken und unheimlichen Regisseurs, Produzenten, Autors und Hauptdarstellers Tommy Wiseau. „The Room“ sehen heißt die Welt durch seine Augen sehen und dabei Hundert Jahre Filmgeschichte hinter sich zu lassen. Kino wie aus Kinderhänden, Film als Therapie: Keine Konventionen, keine Regeln und auch keine Qualität. „The Room“ ist der erste und letzte Film.“

    rori · 17. Dezember 2014 um 1:25

    „Kino wie aus Kinderhänden“ – Das ist eine sehr schöne Beschreibung 😀

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