Das Schlafen fiel mir vor meiner heutigen Abreise etwas schwer. Nicht, weil ich Wehmut für Marrakesch oder Angst vor meinem neuen Ziel, Dakar, habe. Nein, gestern Abend sind einige Engländer ins Hostel gezogen. Kurzum: Hip Hop, Engländer, Poker und Orangensaft erzeugen eine langwierige, lautstarke, exotherme Reaktion. Besonders wenn man im richtigen Moment den Katalysator Vodka ergänzt.

Der Vodka muss recht teuer gewesen sein. Alkohol verbietet der muslimische Glauben, daher gibt es ihn in nur wenigen Läden. Mit einem halben Ohr nehme ich einen Preis von 60€ wahr.

In meinem Zimmer wohnt einer der Reaktionsteilnehmer. Er kommt aus Manchester, sieht passenderweise aus wie Wayne Rooney und ist Hardcore-Manchester United-Fan. Er ist zudem Bauarbeiter und hat widerwillig am Trainingsgelände von Manchester City mitarbeiten müssen. Er meint, es fiel ihm schwer, aber er hat es professionell durchgezogen.

Viel mehr haben wir nicht miteinander gesprochen. Insgesamt hielt ich mich stark aus Hostel-SmallTalk raus, da ich die immer selben Fragen und die aufgesetzte Begeisterung gähnend langweilig finde. Und zielführend ist es auch nicht, außer man will die Zahl seiner Facebook-„Freunde“ erhöhen.

Heute ist ein sehr wolkiger Tag. Meine Geheimwaffe, die Dachterrasse, bleibt wirkungslos. Es ist reichlich frisch. Ein guter Tag für die Abreise nach Dakar.

Ich gehe über den Marktplatz, genieße meinen letzten frisch gepressten Orangensaft. Dabei überkommt mich doch Wehmut: Marokko war schön. Ich begegnete vielen freundlichen, aufgeschlossenen, ehrlich herzlichen Menschen. So kam ich auch mit den Hostelangestellten in Marrakesch viel besser klar als mit den Gästen, habe die Putzfrauen zum Lachen gebracht und dem Frühstücksverantwortlichen morgens ein Lächeln und den wundervollen Tee entlockt.

Ich habe nur einen Teil Marokkos gesehen, die 3 großen Städte Casablanca, Rabat und Marrakesch. Diese Städte sind sehr stark auf Tourismus eingestellt, auch wenn die Sightseeing-Süchtigen ihre TODO-Liste schnell abgehakt bekommen.

Wenn man sich jedoch auf die Marokkaner einlässt, entdeckt man eine sehr freundliche, offene Gesellschaft. Der muslimische Glauben ist hier allgegenwärtig, wirkt jedoch genauso offen und tolerant wie die Menschen. Mir fehlen lediglich die Museen, die die Entwicklung dieser Gesellschaft dokumentieren.

Zum Abschluss noch ein wenig Arabisch für Touristen:

  • Salaam aleikum – Friede sei mit euch. (Begrüßung)
  • Wa aleikum as-Salam – Und mit euch ebenso. (Antwort auf Begrüßung)
  • Ma as-Salam – Gehe mit Frieden. (Abschied)
  • Schukran – Danke
  • Afuan – Bitte sehr.

Ich habe viel Neues erfahren und verlasse Marokko mit einem sehr positiven Gefühl.

Um euch ein ähnlich wohliges Gefühl zu geben, gibt’s zum Abschluss – wie gewünscht – noch ein paar Katzenbilder:

Abschluss-Anekdote: Der marokkanische Zollbeamte haut mir den Stempel auf die rechte Seite meines Passes. Alle anderen Stempel sind auf den linken Seiten. Die chronologische Reihenfolge muss ich wohl aufgeben. Arabischen Stempel funktionieren halt nur von rechts nach links 😉

Ma as-Salam, Marokko.


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