Am Abend soll mich die Transgabonais nach Lopé befördern. Die gabunische Bahn hat lediglich eine Verbindung, die von West nach Ost durch das ganze Land und damit quer durch den gesamten Urwald führt. Auf halber Strecke irgendwo im Niemandsland liegt Lopé.

Beim Einsteigen wird mein Ausweis kontrolliert. Der Polizist weist mich genervt darauf hin, dass ich nur 15 Tage Visum habe. Ich erkläre ihm, dass ich das weiß, zeige brav mein Bahn-Rückfahrticket. Er ignoriert meine Bemühungen und redet noch genervter und schneller auf mich ein. Was will er? Meine Erklärungsversuche unterbindet er mehrmals. Ich bleibe ruhig, geradezu still. Ich schaue ihn nur noch an. Irgendwann hat er seine Tirade beendet. Er lässt mich passieren. Ich denk mir nur: Ha! Dem hab ich’s gegeben! 😉

Ich will noch ein paar Fotos vom Zug machen. Ich weiß, dass das in manchen afrikanischen Ländern einer Spionage gleichkommt. Daher frage ich vorsichtig einen Bahnmitarbeiter. Mir schlägt ein entsetztes „Quel organisation?“ ins Gesicht. Ich spiele den kleinen unschuldigen Touristen. Das hatte schon einige Male Erfolg. Nach einer telefonischen Rücksprache und intensiver Beratung mit seinen Kollegen, bekomme ich ein okay. Sehr gut, Nordkorea zahlt mir sicher Millionen 😉

Der Zug ist erstaunlich komfortabel, auch in der 2. Klasse. Leider fährt der Personenverkehr nur nachts und enthält meinem Fotoapparat die schöne Landschaft vor. Aber das wusste ich bereits vorher, denn – und jetzt oute ich mich als Fan – : die Transgabonais wurde bereits in der Sendung „Eisenbahn-Romantik“ gewürdigt. Puh, nun ist es raus. Dort lernte ich auch, dass die größte Sorge der gabunischen Lokführer nicht Selbstmörder, sondern Elefanten sind. Das Resultat ist leider in beiden Fällen das selbe: Der Zug gewinnt.

Nach 6 Stunden Fahrt überqueren wir den Äquator. Kurz darauf – es ist 1 Uhr – erreichen wir den Bahnhof Lopé.

So richtig schlafen konnte ich nicht, nur ein wenig dösen. Wer stattet denn einen Nachtzug nur mit Sitzplätzen aus? Mein Nacken schmerzt. Meine Mitreisenden haben da weniger Probleme:

Aber die Sitzplätze waren meine geringste Sorge. Was ist, wenn ich den Bahnhof verpasse? Es ist stockfinster draußen und es gibt im Zug keinerlei Durchsagen. Nur Wecker und GPS gaben mir etwas Sicherheit.

Zum Glück ist der Zug pünktlich. Mein Sprung aus dem Zug fängt das Kiesbett auf. Der Bahnhof hat zwar einen Bahnsteig, aber der bleibt der Lok und den Gepäckwaggons vorbehalten. Die 10 folgenden Personenwaggons sind dem Kiesbett überlassen.

Trotzdem ist der Bahnhof größer als ich ihn erwartete. Er hat ein Gebäude, sogar Licht und ist nicht von Regenwald oder entsprechenden Geräuschen umhüllt. Am Bahnsteig treffe ich 2 ebenso verloren wie safari-begeistert wirkende Nicht-Einheimische. Die wollen sicher auch ins Hotel. Ich stelle mich zu ihnen.

Ein Mann spricht uns an und lädt unser Gepäck in seinen Jeep. Er bringt uns zum 4km entfernten Hotel. Mir wird ein Bungalow zugewiesen. Ich springe ins Bett und schlafe ein.

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2 Kommentare

Marcus · 27. Januar 2017 um 16:05

Danke, dass wir mitfahren dürfen …

    rori · 28. Januar 2017 um 17:43

    Danke, dass ihr mitfahrt 🙂

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