Heute steht eine weitere organisierte Tour an, nach Soweto. Soweto ist mit 3,5 bis 5 Millionen Einwohnern größtes Town-Ship Afrikas. Zu Beginn der Apartheid wurde es als „Lebensraum“ der schwarzen Bevölkerung 15 km außerhalb von Johannesburg angelegt.

Unsere Tour beginnt mit einer Schule. Warum eine Schule? Keine Ahnung. Wir teilen uns in 3 Gruppen auf, um 3 Schulklassen zu besuchen. Ich weiß nicht mehr wie es kam, aber ich bin plötzlich allein in einer Gruppe … und von 20 hoch euphorisierten Kindern umgeben, die mich umarmen, hochgehoben werden wollen, nach meiner Brille greifen und Fotos mit meiner Kamera machen wollen.

Hilfe!!!

War irgendwie spaßig.

In der durch Spenden finanzierten Schulbibliothek versammelt man weltweite Standardwerke wie „The Adventurous Cook“, „Infection Control“ und „Adorable Cats“.

Ich wusste gar nicht, dass es Katzenbilder auch außerhalb des Internets gibt 😉

Ein bisschen „Township-Feeling“ bekommen wir dann doch noch. Wir sehen ein paar Blechhütten …

… bei echtem Scheißwetter!

Das Wetter bleibt, die Gegend wird besser: Wir besuchen die einzige Straße aus der 2 Nobelpreisträger stammen, Nelson Mandela & Desmond Tutu.

Ich bin etwas verwundert, denn solch eine noble Wohngegend habe ich in einem Township nicht erwartet. Der Guide nannte es das „Beverly Hills von Soweto„.

Zum Mittag gibt’s dann lokales Mais-Bier (Umqombothi) …

… und das lokale Gericht Kota, eine Art Sandwich mit Würstchen & Pommes.

Das war auch schon die Soweto-Tour. Ich habe das Gefühl, nicht das richtige Soweto gesehen zu haben. Ich habe mehr Elend, mehr Blechhütten, mehr Chaos erwartet. Das wird es sicherlich zur Genüge geben. Es wird nur zu gefährlich sein für Touristen.

Um diese Eindrücke richtig einordnen zu können, besuchen einige von uns am Nachmittag das Apartheid Museum. Hier lernen wir:

Südafrika wurde Ende des 19. Jahrhunderts beflügelt durch den Goldrausch. Immigranten aus der ganzen Welt suchten dort ihr Glück.

In den 1930er und 1940er Jahren drängten immer mehr Schwarzafrikaner in die Städte und die herrschenden Weißen sahen ihren Wohnraum und ihre Jobs bedroht.

Es kam die Idee der Apartheid auf. Daraus entwickelte sich ein Gewirr an Gesetzen, das den Alltag klar nach Rassen trennt und den Wohnraum der Schwarzafrikaner in Townships außerhalb der großen Städte verlegt. Zeugnis dieser Gesetze ist der Schilderurwald.

Widerstand gegen die Apartheids-Gesetze gab es seit Bestehen, insbesondere durch die Partei ANC mit ihrem prominentesten Mitglied Nelson Mandela. Doch letztlich waren die niedergeschlagenen Studentenunruhen 1976 Anstoß für nationale und internationale Proteste. Der Druck auf Südafrika stieg.

Am Interessantesten fand ich jedoch die Aufhebung der Apartheid ab 1990. Dies war ein mehrjähriger, von Gewalt, Haus-Hijacking, und weißen Rassenspinnern geprägter Übergangsprozess.

Hier kamen mehr Menschen bei Protesten und Attentaten ums Leben, als in den Jahren der Apartheid. Darüber wusste ich wenig. Auch die Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufarbeitung der Apartheidsgeschichte kannte ich nicht. Sie wurde Vorbild für viele Unrechtsprozesse.

Wow, das war viel Geschichte, gequetscht in knappe 2 Stunden. Das muss mein Kopf erstmal verarbeiten.


9 Kommentare

cp · 9. Februar 2017 um 15:10

„Don’t drink and walk on the road, you may be killed.“ Jetzt lassen die einen nach ’nem Gelage schon nicht mal mehr in Frieden auf der Straße nach Hause wanken. Wo soll das noch hinführen?

    rori · 12. Februar 2017 um 8:38

    Das Bier hat noch nicht mal 3 Umdrehungen. Vielleicht ist die Warnung ja eher auf die Autofahrer bezogen. Südafrika hat ein echtes Problem mit Alkohol und mit Rasern. Eine ungünstige Mischung, die zu vielen Unfällen führt.

      Eno Thiemann · 5. März 2017 um 15:03

      Immerhin HAST Du etwas mit Alkohol getrunken. Das hätte ich kaum erwartet.

        rori · 5. März 2017 um 15:50

        Du hattest richtig erwartet. Ich habe den Kelch wohlwollend und unbemerkt weitergereicht. Da fehlt das deutsche Reinheitssiegel … und natürlich der grüne Punkt auf der Packung 🙂

lede82 · 9. Februar 2017 um 20:00

Du solltest umschulen auf Lehrer! (oder Vater werden :))

    rori · 12. Februar 2017 um 8:40

    Oh, da fehlt mir wohl die Geduld 🙂

      Marcus · 13. Februar 2017 um 17:06

      zum Vaterwerden braucht es nicht viel Geduld, das geht ganz schnell … 🙂

        rori · 14. Februar 2017 um 14:19

        Ich habe geahnt, dass solch eine Antwort kommt 🙂

          Eno Thiemann · 5. März 2017 um 15:02

          Ich kann das Vatersein nur wärmstens empfehlen. Meine beginnend grau werdenden Haare wissen dies zu bezeugen.

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