Seichtes, einlullendes Klaviergeklimper beim Frühstück, von Pop über Musical bis Pseudo-Klassik. Greensleeves, Memories, … Bääh! Ich hasse es! Es macht mich aggressiv, obwohl es genau das Gegenteil bewirken soll!

„Spiegelei, please“, bestellt ein deutscher Rentner sein Frühstück. Der simbabwische Koch guckt irritiert. Unbeirrt fährt der Rentner fort: „beid seids, please“.

Gestern Abend schaute der Koch ähnlich irritiert: „Ich esse nur Mahlzeiten, die ohne Gewürze und Zucker zubereitet sind.“ sagte eine Deutsche fordernd, aber immerhin auf Englisch. Nachdem der Koch ihr Anliegen ungläubig aber freundlich abtut, holt sie den Manager dazu. Sie möchte sicher gehen, nicht missverstanden zu werden. Am Ende gibt sie sich mit der Gemüsebeilage zufrieden. Manager und Koch schmunzeln sich an.

Typische Pauschal-Touristen. Sie sind nur hier um Sonne und ggf. Natur zu genießen. Land, Leute und Kultur sind ihnen scheißegal. Sie sind sogar so frech, ihre Gewohnheiten und manchmal überdrehten Ansprüche durchsetzen zu wollen. Diese Engstirnigkeit mag ich überhaupt nicht leiden.

Leider hat sich dieser Eindruck auch bei der Rezeptionistin gefestigt: Sie wundert sich, dass ich so anders bin, denn Deutsche sind doch meist starrsinnig (O-Ton: „Germans are stubborn“) und sprechen ungern Englisch. Ich versuche, den Schaden zu begrenzen und beschränke ihre Ansicht auf die älteren Safari-Deutschen. Sie kennt halt nur diese Klientel.

Ich bin viel zu aggressiv für diese frühe Tageszeit. Das liegt auch daran, dass mein Safari-Marathon jäh unterbrochen wird. Der Amakhala Nationalpark ist ausgebucht bzw. antwortet telefonisch nicht.

Die Enttäuschung legt sich jedoch recht schnell. Mir wird bewusst, dass ich in den letzten 2 Tagen sehr viele schöne Safari-Erlebnisse hatte, mehr als manch anderer in 2 Wochen. Dafür bin ich dankbar.

Um meinen Tag doch noch zu nutzen, erkunde ich das Gelände um die Lodge.

Wer braucht denn bitte schön so viele Koffer?

Im hinteren Bereich des Anwesens lerne ich den Gärtner Hedman kennen. Er weist mir die spärlichen Wanderwege rund um den Zuurberg. Wilde Tiere seien hier tagsüber nicht unterwegs. Ich solle lediglich vermeiden, auf Kreuzottern oder Boumslangs zu treten. Respektvoll folge ich seinem Rat.

Nach überlebter Wanderung treffe ich Hedman im Garten der Lodge wieder. Stolz führt er mich herum, bedauert jedoch, dass nur wenige Gäste hier her kommen. Der Garten liegt versteckt hinter dem Hauptgebäude.

Zufällig sehe ich einen Affen im Garten und schleiche mich für ein paar Fotos an:

Glück gehabt, denn gegen Mittag verstecken sich die Affen aufgrund der hohen Temperaturen eigentlich im Busch. Nur morgens hört man sie auf den Dächern der Bungalows herumlaufen.

Na, da hab ich ja heute doch noch eine kleine Safari mitgemacht, ohne die Lodge zu verlassen. Man muss eben nur die Augen offen halten und auch mal die Hauptwege verlassen.

Der verregnete Nachmittag gibt mir dann Zeit, Blog zu schreiben. Hedman wird sich über den Regen freuen:

Der heftige Sturm sorgt dann noch für Stromausfall … und für ein Candlelight-Diner am Abend.


2 Kommentare

Marcus · 1. März 2017 um 15:05

Wie romantisch dieses Candlelightdinner.

Oder wurde die Romantik jäh von arroganten deutschen Rentnern zerstört, die meinten, das würde in Deutschland nicht passieren … „Licht an, please“.

Ich könnte das ja fast lustig finden mit dem „Spiegelei, please“, wenn es nicht so verdammt unlustig wäre.

Ich mag deine kritische Berichterstattung!

cp · 14. März 2017 um 7:53

Auf arrogante Deutsche reagiert man am besten mit einer Portion Westerwelle: „We are in South Africa. Here we speak english. No Late Roman decadence, please!“

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