Ich wache um Mitternacht auf. Die Paracetamol hatte mich gegen 18 Uhr sanft aber bestimmt in den Schlaf geboxt. Genützt hat sie jedoch nicht viel, Kopf- & Gliederschmerzen sind immer noch bei bester Laune. Seit nunmehr fünf Tagen. Die schlimme Form der Malaria, die Malaria tropica, kann nach so langer Zeit ziemlich fiese Folgen haben. Die Unsicherheit frisst mich auf. Ich MUSS zu einem Arzt.

Bangkok hat viele Krankenhäuser, zumeist öffentliche, einige private. Die Ärzte sind in allen gut ausgebildet. In den privaten ist die Ausstattung jedoch hochwertiger und man wartet nicht so lange. Dafür bezahlt man jedoch ein Vielfaches. Ach was soll der Geiz, ich bin versichert. Ein wenig graut mir aber doch vor einer hohen Zahlung, die das Tageslimit meiner Kreditkarte überschreitet.

Ich gehe zum BNH Hospital … bzw. gehe dran vorbei. Denn von außen wirkt es wie ein 5-Sterne-Hotel, mit Portiers und Parkpersonal. Eine Mercedes S-Klasse fährt vor und macht von beidem Gebrauch. Ich habe zwar keine S-Klasse zur Hand, beglücke das Krankenhotel aber trotzdem mit meiner Anwesenheit.

Die große Empfangshalle wird dem äußeren Schein gerecht: Kronleuchter, hochwertiger Sitzbereich, ein Marmor-verkleideter Empfangstresen und besänftigend dudelnde, klassische Musik. Eine „Rezeptionistin“ stürzt sich in verhalten thailändischer Art auf mich, fragt mich nach Anliegen und Symptomen. Sie trägt ein auffällig unauffälliges grau-braunes Business-Kostüm, sieht weder wie eine Ärztin noch wie eine Schwester aus. Mein Reisepass wird kopiert, mein Gesicht auch. Wirklich wohl fühle ich mich hier nicht. Aber mein Unwohlsein ist ja auch die Ursache meines Besuchs.

Das Kostüm schickt mich auf die Station für Innere Medizin. Hier wartet schon das nächste Kostüm, das mich zu Wartesaal und Behandlungszimmer begleitet. Hmm, die Kostüme sind wohl eine Art Kundenbetreuerinnen. Im Behandlungszimmer werde ich auf Deutsch begrüßt. Der thailändische Arzt hat in Erlangen studiert. Mein Sprachzentrum braucht ein paar Sekunden, bis es wieder deutsche Wörter ausspuckt. Er ist nett, untersucht mich, gibt einige Blutchecks in Auftrag. Meine Kundenbetreuerin führt mich zum Blutabnehmen, danach in den Wartesaal. Nach 2h sind die Laborergnisse da.

Mein Gesundheitscheck hat ergeben: ich habe 6kg abgenommen, habe keine Malaria, kein Dengue-Fieber, aber eine abklingende Magen-Darm-Infektion. Ich bin glücklich! … oder wie es mich die nette, hektische Hostel-Besitzerin auf Thai lehrte: Hum sebai dii (geschrieben ผมสบายดี).

Auf die Frage, was ich gegen die Infektion machen kann, antwortet der Arzt verhalten lachend „Viel essen!“ – „Das kann ich!“ erwidere ich voller Stolz. Ihm entgeht der Wortwitz.

Nun geht’s zur Kasse. Meine Kreditkarte ist genauso gespannt wie ich. Trommelwirbel! … 7200 Baht, keine 200€. Ich habe mit mehr gerechnet.

Ich will die Empfehlung des Arztes in die Tat umsetzen. Es lässt sich jedoch kein griechisches Restaurant finden 😉 (Gruß an Christian). Ersatzweise gönne ich mir eine thailändische Rindfleisch-Nudelsuppe. Lecker. Nur etwas scharf.

Den Rest des Tages laufe ich ein wenig in „meinem Viertel“ Silom umher. Besonders auffällig sind die vielen z.T. überdimensionalen Trauerbekundungen zum Tod des thailändischen Königs Bhumibol. Seit seinem Tod im Oktober herrscht für 1 Jahr Staatstrauer.

Doch nicht nur die Trauer treibt die Menschen dazu, solch große Gedenktafeln aufzustellen. Die Thailänder fürchten andernfalls dem Majestätsbeleidigungs-Paragrafen zum Opfer zu fallen – aufgrund mangelnder Trauer. Der Paragraf ist sehr schwammig formuliert, wird jedoch streng und mit Haftstrafen bis zu 15 Jahren angewendet. In der thailändischen Politik wird er gern genutzt, um unliebsame Oppositionelle loszuwerden.

Nichtsdestotrotz wirkt die Trauer aufrichtig. Vereinzelt halten Leute vor dem Abbild des Königs inne, verneigen sich. König Bhumibol regierte immerhin 70 Jahre. In Thailand herrscht eine konstitutionelle Monarchie. Der König hat ein gewichtiges Wort in politischen Fragen.

Zum Schluss noch ein paar Impressionen aus Silom:


5 Kommentare

Anri65 · 11. März 2017 um 14:40

Das sind doch mal gute Nachrichten, wenn es „nur“ Magen-Darm war. Wir hatten uns schon echt Sorgen gemacht.

Erst eine Weile gar keine Nachrichten und dann Krankmeldung. Da kann ich ja deinem Vater die Info weiter geben.

Heute spielt der BVB bei Hertha.
Erinnerungen an´s letzte Jahr kommen da auf….

    rori · 11. März 2017 um 23:26

    Blöd war halt, dass sich die Krankheit hartnäckig hielt. Das hat mich Reisezeit gekostet und immer wieder die Sorge nach etwas Ernstem aufkommen lassen.

    Aber am Ende ist doch alles gut … nur der BVB hat leider verloren 🙁

cp · 15. März 2017 um 11:44

Schönen Gruß zurück. 🙂 Ich hoffe, mittlerweile geht es Dir wieder besser.

Und wenn im Notfall mal kein Grieche in der Nähe ist, weiche doch einfach auf Türke aus. Wird sich doch irgendwo wieder ne Dönerbude auftreiben lassen! 😉

    rori · 15. März 2017 um 14:43

    Boah, so einen Döner könnt ich jetzt echt vertragen. Hab ich schon 3 Monate nicht mehr gegessen … Und daran merkst du auch, dass es mir gesundheitlich wieder besser geht 🙂

      cp · 16. März 2017 um 12:45

      Na dann ab nach Tokio… oder Philadelphia. 😉

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