Osten oder Westen? Meine Reiserichtung ist eigentlich Osten. Mein nächstes Reiseziel sollte folgerichtig Vietnam sein. Vietnam wurde mir von einigen Leuten aufgrund der Natur, des Essens und der kulturellen Unterschiede zwischen Nord und Süd empfohlen. Es reizt mich … doch das westlich gelegene Myanmar reizt mich noch mehr.

In Myanmar (früher auch Birma oder Burma) regiert seit Jahrzehnten eine Militärdiktatur, die eine strikte Abschottungspolitik betrieb. Erst seit wenigen Jahren öffnet sich das Land allmählich der Demokratie, dem Handel … und dem Tourismus. Der Einfluss der alteingesessenen Militärs bleibt jedoch bestehen. Myanmar bietet eine Jahrtausende alte, buddhistisch geprägte Kultur, wunderschöne Natur und ein Stück Abenteuer fernab des Massentourismus. Allein Letzteres ist für mich Grund genug, von meiner Reiserichtung abzuweichen.

Nach Myanmar zu gelangen ist von Bangkok aus einfach. Eine der wenigen Botschaften Myanmars liegt an meiner Unterkunft „umme Ecke“. Ein Visum zu bekommen, war in wenigen Stunden erledigt:

  • Formular ausfüllen mit Standarddaten wie Adresse, Name des Vaters, aktueller und vorheriger Job (mit einer winzigen Zeile „describe your duties“)
  • Formular, Pass & 50€ abgeben
  • nach 4 Stunden als „Mr. Robert“ den Pass wieder abholen

Auch der Flug ist ein Leichtes. Eine der wenigen Flugverbindungen nach Myanmar wird täglich von Bangkok bedient. Ich begebe mich mit dem Taxi zum Flughafen. Der Taxifahrer spricht gutes Englisch und macht intensiv davon Gebrauch. Er erzählt über

  • das bald anstehende Neujahrsfest. Es wird im Kreise der ganzen Familie begangen. Viele Thais fahren in ihre Heimat aufs Land, was im Umland von Bangkok für ein großes Verkehrschaos sorgt. Für die 400km zu seinem Heimatdorf brauche er manchmal 10h. Zusätzlich hat man dabei mit überladenen Autos und vielen Betrunkenen zu kämpfen.
  • Ladyboys. Vor 10 Jahren waren sie nur im Rotlichtmilieu zu finden. Mittlerweile sind sie anerkannt in Thailand, da sie in Fernseh- & Mode-Branche aufgrund ihrer Stilsicherheit präsent sind. Offiziell gelten sie jedoch eher als 3. Geschlecht denn als Frau. Zur Musterung für den Militärdienst zieht man sie trotzdem ein, auch wenn sie meist aussortiert werden, da sie nicht dem Idealbild des Soldaten entsprechen.
  • Rotlicht-Ladyboys, denn die gibt es natürlich weiterhin. Der Taxifahrer erzählt über Ladyboys, die ihm in den Schritt griffen, über Ladyboys, die ihre Freier betrunken machen, um sie zum Sex zu überreden (denn manche Ladyboys sehen erst nach dem fünften Bier wie eine Frau aus), über Ladyboys, die Freiern das Geld stehlen.

Anfangs bin ich noch sehr interessiert, zum Ende hin wird das Gespräch jedoch immer schlüpfriger. Über das japanische Sexleben weiß er auch zu berichten: Japanische Männer arbeiten viel und haben keine Zeit für Sex, daher sei die japanische Pornoindustrie sehr ausgeprägt, und beliebt in ganz Asien. Zudem flögen viele japanische Frauen nach Indonesien, um die Dienste von Gigolos in Anspruch zu nehmen. Und wenn die japanischen Männer doch mal Zeit fänden, so seien sie im Bett sehr leidenschaftlich, bis hin zu gewalttätig.

Meine letzte Impression von Bangkok ist, wie mich der Taxifahrer umarmt. Anscheinend fühlte er sich in den 20 Minuten unseres „Zusammenseins“ verstanden.

Zeitzone: Myanmar Time (MMT) = MEZ + 5,5h
Flugkilometer: 25.010

Meine erste Station in Myanmar ist Mandalay, die zweitgrößte Stadt des Landes. Der 2-stündige Flug vergeht sehr schnell, macht aber hungrig. Meine erste Mahlzeit finde ich in einem Lokal in der Nähe meines Hotels: Die Auswahl ist reichhaltig:

Mann, bin ich satt! Und das für umgerechnet 2,30€.

Zählt ein fotografierter leerer Teller eigentlich auch in die Kategorie Foodporn? 🙂

Nebst diesem günstigen Festessen gewinne ich noch folgende erste Eindrücke von Mandalay:

  • Autos fahren auf der rechten Straßenseite, Lenkrad samt Fahrer befinden sich ebenfalls rechts. Interessante und wohl einzigartige Variante. Wer überholen will, kündigt das hupend an.
  • Mandalay ist eine weitläufige Stadt, die durch ihre flachen Gebäude, vielen Straßenstände und breiten, teils sandigen Wege sehr dörflich wirkt.
  • Viele Männer tragen Röcke, den so genannten Longyi. Frauen tragen goldene Verzierungen im Gesicht, das so genannte Thanaka.
  • Die Myanmaren sind überaus freundlich. Schenkt man ihnen ein Lächeln, so lächeln sie zurück.

Ich fühle mich in Mandalay auf Anhieb sehr wohl.


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