Um 4 Uhr klingelt mein Wecker – morgens! Mir mag beim besten Willen nicht mehr einfallen, warum ich unbedingt mit der Fähre nach Bagan schippern wollte.

Vor dem Hotel wartet bereits mein Moped-Taxi und sein freundlich lächelnder Fahrer. Mit meinem großen Rucksack auf dem Rücken und meinem Tagesrucksack auf den Bauch geschnallt setze ich mich hinter ihn und suche Halt. Sollte ich herunterfallen, bin ich wenigstens auf beiden Seiten gepolstert. Das Moped setzt sich vorsichtig in Bewegung. Es muss ein tolles Bild abgeben. Aber es funktioniert besser als angenommen.

Wir erreichen den Fähranleger unbeschadet. Mein Fahrer ist sehr fürsorglich. Er begleitet und positioniert mich auf einem Plastikstuhl auf dem Oberdeck der Fähre. Auch die anderen 40 Plastikstühle füllen sich langsam … mit weiteren Touristen. So viele hatte ich nicht erwartet.

Rechts neben mir nehmen 2 Französinnen Platz. Die beiden Rucksacktouristinnen sind Anfang 20 und sind eingepackt in hochmodischer Thermokleidung, wohl als Schutz vor der 23° „kalten“ Morgenfrische. Sie lesen sich gegenseitig aufgeregt aus ihrem Reiseführer „La Burmanie“ vor, während sie sich in ihre Nackenkissen zurücklehnen.

Tja, Entdecker sterben aus. Es gibt nur noch Abenteurer. Darunter sind die vielen Rucksacktouristen, auf der Suche nach Reise-Abenteuern. Doch der Weg ihrer Abenteuer ist meist vorgegeben, durch Internet und Reiseführer wie Lonely Planet. Sie „entdecken“ eine Welt, wie sie bereits von Anderen beschritten und dokumentiert wurde … aber da geht es mir ja nicht anders.

Auch ich suche Abenteuer … und befrage als Erstes das Internet. So war dort dokumentiert, dass zwei Arten von Fähren existieren:

  • Schnelle Fähren bieten eine 10-stündige Non-Stop-Fahrt nach Bagan, Frühstück und Mittag inklusive. Auch aufgrund ihres Preises von 50€ werden sie ausschließlich von Touristen benutzt.
  • Langsame Fähren werden hauptsächlich von Einheimischen genutzt, da sie auf dem Weg nach Bagan an vielen Dörfern halten. Sie sind mit 12€ deutlich günstiger.

Ich entschied mich bewusst für die langsame Fähre. Denn letztlich ist nicht entscheidend wie schnell oder bequem ich ankomme, sondern was ich auf dem Weg dorthin sehe und erlebe. Und ich will Myanmar sehen und erleben!

So sitze ich nun in der 1. Klasse auf einem zweitklassigen Boot. Die „erstklassigen“ Plastikstühle bleiben den Touristen vorbehalten. Die Einheimischen sitzen zweitklassig auf dem Boden, auf dem Unterdeck gar neben dem knatternd lauten Motor.

Die Toiletten des Unterdecks sind nicht viel mehr als Löcher im Boden. Das Oberdeck bietet dagegen die Luxusausführung, sogar mit Waschbecken:

Die Kabine im vorderen Bereich des Oberdecks ist den Mönchen vorbehalten. Sie dürfen Züge, Busse und Schiffe kostenfrei nutzen:

Links neben mir sitzt John, ein Niederländer. Er ist 71, pensionierter Psychotherapeut. Er reist gerne, insbesondere durch Südostasien. Er hat vor Myanmar einen todkranken Freund in Neuseeland besucht. In Myanmar erhielt er die Nachricht, dass sein Freund verstarb.

John ist für sein Alter sehr fit. Er reist mit Begeisterung und sehr wenig Gepäck. Ihn begleitet lediglich seine 7kg leichte Tasche. Minimalistisch ist er auch bei der Auswahl seiner Unterkünfte, er begnügt sich mit günstigen, manchmal dreckigen oder schäbigen Zimmern. Die vergangene Nacht verbrachte er gar auf einer Parkbank. Es war ihm zu später Stunde zu aufwändig und zeitraubend, ins Stadtzentrum zu fahren und ein Hotel zu suchen.

Während der Fahrt halten wir an vielen kleinen Dörfern. Hier steigen nicht nur Reisende ein und aus, sondern auch viele Verkäuferinnen:

Kurz nach 20 Uhr erreichen wir Bagan, nach 15 Stunden Fahrt. Es kam mir deutlich kürzer vor. Ich habe die Fahrt sehr genossen.


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