Am Vormittag regnet es heftig. In den vergangenen Tagen war es fast durchgängig stark bewölkt. Langsam beginnt die Regenzeit. Auch die täglich stattfindenden Ballonfahrten wurden gestern und heute abgesagt, da Wolken und Winde die Fahrt unberechenbar machen. Da habe ich ja Glück gehabt!

Heute wird es Zeit weiterzureisen. Bagan ist ein einmalig schöner Ort, doch nach 3 Tagen verfliegt der Pagodenzauber, auch weil es touristisch überlaufen ist. Deutsche, Schweizer, Franzosen und Russen klappern die Pagoden ab. Es gibt eine hohe Dichte an Hotels … und die Taxifahrer haben sich anscheinend verbündet. Für die 10-minütige Fahrt zum Bahnhof zahle ich unverschämte 8000 Kyat, knapp 6€!

Mein Weg führt mich nach Yangon, der bevölkerungsreichsten Stadt Myanmars. Auch diesmal nutze ich wieder ein Reisemittel, das mir ein paar Eindrücke von Myanmar verschafft. Bei Touristen ist die Zugfahrt als wackelig und langwierig verschrien, daher nutzen die allermeisten die schnellen, günstigen Reisebusse. Mich als Bahnfan schreckt das jedoch nicht ab.

Ich habe noch kein Bahnticket und keine Ahnung ob heute überhaupt ein Zug fährt. Die Bahnhofsaushänge helfen mir leider nicht weiter …

… Okay okay, ich mogele. Auf der linken Seite des Ticket-Schalters hängt zum Glück eine englische Fassung des Fahrplans 😛

Für die 19-stündige Zugfahrt bezahle ich 18000 Kyat. An diesem Preis-Leistung-Verhältnis sollten sich die Taxifahrer ein Beispiel nehmen!

Mit in meinem Abteil sitzt Donnell, ein Mitt-Fünfziger aus Irland. Genauer gesagt sitzt er ab dem 1. Halt dort. Er hat den Zug in Bagan verpasst, ist mit Taxi hinterher gefahren und im nächsten Dorf zugestiegen.

Donnell ist seit Juli vergangenen Jahres auf Reisen durch Südostasien. Ursprünglich wollte er mit einem Freund 2 Wochen in Malaysia urlauben. Sein Freund kehrte nach 2 Wochen zurück, Donnell blieb.

Seitdem erkundet er Südostasien hauptsächlich auf Motorrädern, die er unterwegs kauft und wieder verkauft. Nahe Bagan kam er ein Wochenende in einem Kloster unter, zum Meditieren. Seine Knie haben sich davon noch nicht so ganz erholt.

Es ist schön, durch die Nacht Myanmars zu fahren, an kleinen Dörfern vorbeizurattern und das Treiben an den Bahnhöfen zu beobachten.

Es schaukelt wie auf einer Seefahrt bei mittlerem Sturm. Ich werde heute Nacht wohl kein Auge zubekommen.

Ich erwache. Die Morgendämmerung setzt bereits ein. Ich habe ganze 8 Stunden geschlafen. Das Umhergeschaukel hat mich zwar 3 oder 4 Mal geweckt, aber zum Glück nicht wachgehalten.

Myanmar ist längst auf den Beinen:

Der Sonnenaufgang ist einfach traumhaft, daher kann ich nicht widerstehen, euch mit Fotos zu überschütten:

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Unsere Fahrt neigt sich dem Ende zu. Wir erreichen den Randbezirk von Yangon. Hm, sieht genauso aus wie Prenzlauer Berg 😉

Fast pünktlich treffen wir in Yangon ein. 19 Stunden Zugfahrt liegen hinter mir – wohl die schönsten Stunden, die ich bisher in einem Zug verbrachte.


2 Kommentare

Marcus · 3. April 2017 um 9:09

Ich werde mal die Leute von W3C anschreiben, ob sie das Tag nicht in den HTML6-Standard aufnehmen könnten.
Wer hat dieses Tag noch nicht gebraucht???

:-)))

    rori · 3. April 2017 um 17:11

    Bin dafür! Wo muss ich unterschreiben?

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