Heute gibt es ein Körnerbrötchen zum Frühstück! Wie sehr habe ich es vermisst. Seit fast 3 Monaten bekomme ich morgens nur lapprigen Toast und übersüßtes Marmeladen-Gelee vorgesetzt. Körnerbrötchen oder ein gutes Mischbrot gibt es in den meisten Ländern einfach nicht. Die meisten Bäckereien bieten lediglich weiche, süße Brotwaren an, in Asien meist sogar mit Käse- oder Würstchenfüllung.

Gestern jedoch habe ich zufällig eine Bäckerei gefunden, die ein dunkles, längliches Brötchen mit Körnern im Angebot hatte. Ich war erst skeptisch. Doch nach dem ersten Bissen merkte ich: nicht süß, keine merkwürdige Füllung … ein echtes Körnerbrötchen! Ich habe es mir für das heutige Frühstück aufgehoben … und genossen.

Der späte Wurm überlebt die frühen Vögel. Mein Tag beginnt erst am Abend. Ich besuche den Nachtmarkt im Stadtviertel Gongguan. Seine vielen Essenstände verströmen einen strengen, teils fischigen Geruch, der mich immer wieder davon abhält, eine der Köstlichkeiten zu probieren.

Der Grund, warum ich heute erst so spät unterwegs bin? Es ist Samstag. Und ich habe schon seit langem keine gute Live-Musik mehr gehört. Daher treibt es mich heute in den Club „The Wall Live House“.

Anscheinend ist dies der einzige Rock-/Metal-Club in Taipeh. Und ich habe Glück, dass heute überhaupt eine Band spielt, denn Live-Musik gibt es hier anscheinend nur selten. Heute jedoch gastiert die japanische Metal-Band „Crystal Lake“, auf ihrer 5 Stationen umfassenden Welttournee durch Asien.

Als Tourist bin ich wohl selten gesehener Gast im Club, denn der Ticketverkäufer ist etwas perplex als mein Auftauchen ihn zum Ausführen seines Jobs nötigt. Ausverkauft ist der Auftritt zum Glück nicht, bei einem Ticketpreis von 50€ kein Wunder.

Erste Erkenntnis im Club: Auch in Taiwan kleidet man sich zu Metal schwarz. Mein blaues G-Star-T-Shirt sticht heraus. Meine Tätowierungen machen’s wieder wett. Auffallen tue ich trotzdem, unter lauter Asiaten.

Ich spreche 2 Taiwaner an. Sie sprechen beide kein gutes Englisch. Wir verstehen uns trotzdem recht schnell. Musik ist eben auch eine Sprache. Sie sind extra wegen der japanischen Haupt-Band aus dem Süden Taiwans angereist. Ein paar gute taiwanische Metal-Bands soll’s auch geben. Sie empfehlen mir Flesh Juicer.

Auf der Toilette dudelt die Musik der deutschen Band Milky Chance … „Down by the River“ … Ich pfeife mit. Mein schwarz gekleideter Pissoir-Nachbar guckt mich schräg an.

Die Vor-Band „Emerging From The Cocoon“ beginnt pünktlich. Im Club sind ungefähr 150 bis 200 Leute, darunter 4 Touristen (mich eingeschlossen). Die Begeisterung ist Vor-Band-entsprechend gering. Der Sänger teilt das Zuschauermeer und animiert zum Circle Pit. Drei Mann folgen dem Aufruf. Platz haben sie jedenfalls genug. Sieht witzig aus.

Beim Pogen tut sich einer der Touristen hervor, wohl ein US-Amerikaner. Er pogt die zaghafte Menge heftig auseinander. Seine Stieraugen verraten eine optimale Drogenwirkung.

Singt der Sänger eigentlich auf Englisch oder Chinesisch? Keine Ahnung. Der überschreit sich selbst. Ist halt Death Metal.

Nach der Vor-Band kommt die Haupt-Band. Allerdings spielt diese nur 40min! Die Zuschauer sind sehr verhalten. Das Konzert geht ohne großen Applaus zu Ende, ohne Rufe nach Zugabe. Es ist erst 21:18 Uhr!? … Ups, das war erst die 2. Vor-Band, Annalynn. Tja, das passiert, wenn man keine der Bands kennt 🙂

Nun aber! Crystal Lake spielen 90min. Die Musik ist mir etwas zu melodisch und lahm – auf Youtube wirkten sie härter. Aber die Band spielt ein nettes Cover des Limp Bizkit-Songs „Rollin“. Das Publikum tanzt und headbangt ausgelassen. Nur beim Amerikaner ist der Akku leer. Er steht nur noch rum.

Der Applaus zum Schluss des Konzerts ist jedoch verhalten. Der Ruf nach Zugabe kommt nur zögerlich. Das muss wohl an der Mentalität der Taiwaner liegen.

Nach 3 Stunden Power-Workout begebe ich mich durchgeschwitzt zurück zum Hostel. Solch ein Konzert habe ich gebraucht!

Ein kleines Bilderrätsel zum Schluss: Was wird in diesem Laden verkauft?

Was in dem folgenden Laden verkauft wird, ist mir allerdings auch nicht ganz klar. Muss wohl ein „Elektrofachgeschäft“ sein:

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2 Kommentare

Marcus · 12. April 2017 um 7:34

Was wird verkauft?
Es sind vermutlich keine Bowlingkugeln. 🙂
Ich rate auf Moped-Helme.
Naja vielleicht sinds ja auch futuristische Brotdosen …

So jetzt erstmal ne ordentliche Stulle Vollkornbrot … mmmh lecker.
Ja, das Brot-Problem kenne ich auch zur genüge.
Kann mich an einen Supermarkt in Neuseeland erinnern, der super viel Brot hatte.
Ungefähr diese Sorten waren vertreten (natürlich alles Weißbrot!):
soft, extra soft, super extra soft, extremly super extra soft, uncredible extremly super extra soft, ….
Grrr …

Kauf dir einfach noch ein paar mehr dunkle Brote als Proviant für die nächsten Monate. 🙂

    rori · 13. April 2017 um 6:13

    Wir haben einen Gewinner! Als Preis darf sich der Kandidat einen Moped-Helm aussuchen und vor Ort abholen 😉

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